Ein legendärer Auktionator stirbt während einer geheimen Auktion nach Feierabend — versteigert wurde ein gestohlenes Meisterwerk, das nach Jahrzehnten wieder auftauchte. Das Zyanid in seinem Scotch brachte ihn für immer zum Schweigen — doch wer von den vier Verdächtigen schenkte das tödliche Glas ein?
Samstag, 16. November — Manhattans Upper East Side, das vergoldete Herz der amerikanischen Kunstwelt. Das Gebäude an der 714 Madison Avenue ist ein fünfstöckiges Stadthaus aus Kalkstein, in dem seit einunddreißig Jahren Calloway & Associates Fine Art Auctioneers residiert. Edmund Calloway hatte sein Auktionshaus zu einem der angesehensten Namen der Branche aufgebaut — nicht so groß wie Christie's oder Sotheby's, aber exklusiver, diskreter und weit eher bereit, Werke mit komplizierter Geschichte zu handhaben. In der abgehobenen Welt der Privatverkäufe, in der die Provenienz trübe sein kann und Diskretion mehr wert ist als Fachwissen, war Edmund Calloway König.
Die Mitternachtsauktion war Edmunds ehrgeizigstes Vorhaben. Seit Monaten wisperte es durch die Kunstwelt, La Danseuse au Repos — ein Renoir-Meisterwerk, 1987 aus einer Privatsammlung gestohlen und seit fast vier Jahrzehnten verschollen — sei wieder aufgetaucht. Das Gemälde, das eine Balletttänzerin zeigt, die in einem sonnendurchfluteten Atelier ruht, wurde auf $25 Millionen bis $40 Millionen geschätzt. Seine Wiederauffindung wäre eines der bedeutendsten Ereignisse der Kunstwelt in diesem Jahrzehnt. Galerien und Museen von Paris bis Tokio hatten Jahre damit verbracht, danach zu suchen. Versicherungen hatten Schadenssummen ausgezahlt. Interpol führte eine aktive Akte. Und nun war es angeblich in den Händen von Sebastian Cross materialisiert, einem Kunsthändler, dessen Ruf in der Grauzone zwischen Genie und Betrug angesiedelt war.
4 Personen hatten die Mittel, das Motiv oder die Gelegenheit. Nur eine von ihnen ist der Täter.
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Die Beweisakten: Vergifteter Scotch Whisky, Textnachrichten vom Wegwerfhandy, Echtheitsgutachten der Kuratorin, Aufnahmen der Überwachungskamera vor dem Büro, Hülle der Zyanidkapsel, Gefälschte Provenienzdokumente
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